Spiel (r)eine Spielerei?

„Spielen“ - eine wertvolle Erfahrung oder eine nutzlose Zeitverschwendung? Manche Eltern würden sich Sorgen machen, wenn sie von ihrem Kind hören würden: “Ich habe den ganzen Tag nur gespielt!”

  • Wo bleibt die Pädagogin, die für Lernanreize sorgt?
  • Wie erwirbt mein Kind Kompetenzen, die es fit für die Schule machen?

Spiel – ein Bildungsprozess?

„Im Spiel bilden Kinder symbolisch und vereinfacht einen Ausschnitt aus der Erwachsenenwelt nach“ (Baer 2008)

Spieleforscher gehen davon aus, dass Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr ca.15.000 Stunden spielen (müssen!).

Das sind ca. 7 - 8 Stunden pro Tag! So können wir ohne Zweifel sagen, dass Spielen der Hauptberuf eines jeden Kindes ist, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen. Es macht sich ein Bild von der Welt!

Spiel und Hirnentwicklung:

  • Kindliche Neugierde, Entdeckerfreude und die damit verbundenen
  • Glückserlebnisse im SPIEL führen zur Aktivierung des „dopaminergen Systems“. 
  • Dieses System verleiht den Dingen und Ereignissen um uns herum eine Bedeutung
  • Wird also dem SPIEL eine hohe Bedeutung beigemessen, dann werden Fertigkeiten (Konzentration, Ausdauer, Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft, Lösungsorientierung, Belastbarkeit ... neuronal gebahnt und es wird gleichzeitig die im SPIEL
  • erfahrene Handlungsfreude sowie Begeisterung für Aktivität mit diesen Fertigkeiten gekoppelt
  • Anders ausgedrückt: das SPIEL sorgt für die Ausbildung eines komplex verschalteten und zeitlebens lernfähigen Gehirns

Spielen ist Lernen

Den Begriff "Lernen" als eine Ansammlung von Wissen zu verstehen, wollen wir grundsätzlich in Frage stellen. Kinder "lernen" notwendige Kompetenzen "nebenbei" - gerade ohne gezielte kognitive Lernangebote. Kinder handeln in sinnverbundenen Lebensbezügen und qualifizieren dadurch ihre Kompetenzen, die sie für ihr gegenwärtiges und zukünftiges Leben brauchen.

Spielen bedeutet: Erwerb von Kompetenzen

Alles, was Kinder sehen und hören, fühlen, in Händen halten und begreifen, wird schnell zum Spiel. Es ist die "handelnde Auseinandersetzung" der Kinder mit ihrer gesamten Umwelt. Kinder wollen sie entdecken, verstehen, sich ihren Gesetzmäßigkeiten annähern und sich mit unbekannten Dingen vertraut machen. Für Kinder gibt es - Gott sei Dank - noch keine Routine, keine Gewohnheiten, keine Verhaltensmuster. Entsprechend dem Motto "Das Unbekannte muss bekannt werden, das Neue wartet auf eine persönliche Entdeckung, das Reizvolle will erlebt werden!"

  • im emotionalen Bereich: Erkennen, Erleben und Verarbeiten von Gefühlen; besseres Verarbeiten von Enttäuschungen und Versagungen; leichteres Ertragen von eindeutigen Situationen; geringere Aggressionsbereitschaft; stärker ausgeprägte Belastbarkeit; größere Ausdauer; Erleben einer größeren Zufriedenheit; ein gleichwertigeres Verhältnis der Grundgefühle Angst, Freude, Trauer, Wut.
  • im sozialen Bereich: besseres Zuhören-Können bei Gesprächen; geringere Vorurteilsbildung anderen Menschen gegenüber: bessere Kooperationsbereitschaft; höheres Verantwortungsempfinden; höhere Regelakzeptanz, bessere Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten; intensivere Freundschaftspflege.
  • im motorischen Bereich: Kinder besitzen hier eine raschere Reaktionsfähigkeit, eine fließendere Gesamtmotorik, eine bessere Auge-Hand-Koordination und eine differenziertere Grob- und Feinmotorik, ein besseres Balance-Empfinden für ihren Körper sowie eine gelungenere Absichtssteuerung.
  • im kognitiven Bereich: Kinder zeigen ein besseres sinnverbundenes Denken (logisches Denken), eine höhere Konzentrationsfertigkeit, bessere Gedächtnisleistungen, eine höhere Wahrnehmungsoffenheit, einen differenzierteren Wortschatz, eine differenziertere Sprache, ein besseres Mengen-, Zahl-, Farb- und Formverständnis, eine größere Fantasie und ein klügeres Durchschauen von Manipulationsversuchen. Kinder lernen im Spiel also gerade die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die notwendig sind, ein selbstständiges, selbstverantwortlicheres und teilautonomes Leben zu führen, Situationen zu entschlüsseln und mitzugestalten,

Notwendigkeiten für ein soziales Verhalten zu erkennen und fremde sowie eigene Wünsche und Bedürfnisse miteinander abzuwägen. Es ist erstaunlich, das also gerade das Spiel der Kinder ihre Potentiale unterstützt und sie in der Lage sind, gerade die Fertigkeiten zu entwickeln, die auch für einen späteren Schulbesuch erforderlich sind.

Somit ist das SPIEL die Grundlage für eine erfolgreiche BILDUNG!

 

Spielerisch Schulfähig

  • „Im Spiel entdecken und festigen Kinder ihre Fähigkeiten, gewinnen laufend Erkenntnisse und eignen sich spielerisch Kompetenzen des Alltags an..." (Konecny & Leitner, 2002, S. 239).
  • Die Freude, die es dabei erlebt, stärkt seine Konzentrationsfähigkeit und sein Selbstwertgefühl, wie Ausdauer, Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft, Handlungsplanung, Lösungsorientierung, Belastbarkeit,...
  • Wird der kindlichen Entdeckerfreude eine hohe Bedeutung beigemessen, dann wird die erlebte Begeisterung im Gehirn verankert. Hier werden die grundlegenden Bahnungsprozesse angelegt, die mit darüber entscheiden, ob sich Kinder gerne neuen Aufgaben zuwenden und konzentriert lernen können
  • Das Spiel ist von ganz entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes und es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Spiel- und Schulfähigkeit

Konsequenzen für die Elementarpädagogik

Die Notwendigkeiten für die Elementarpädagogik liegen auf der Hand: Kinder brauchen ein Umfeld das ihnen erlaubt, intensives Spielen mit aktiven PädagogInnen und Eltern als Mitspieler(innen) zu erleben. Spielen unterstützt die Lernfreude, die Lernmotivation und damit die Neugierde. Die freie Entscheidung ist Grundvoraussetzung. Der bekannte Entwicklungspsychologe Piaget meinte: "Alles, was wir die Kinder lehren, können sie nicht mehr selbst entdecken und damit wirklich lernen." Spiele vollziehen sich nicht in erster Linie auf irgendwelchen Tischen, sondern geschehen dort, wo das Leben pulsiert: in spannenden Projekten, in Höhlen und Buden, auf Bäumen und auf dem Boden, in selbst gebauten Hütten, im Wald und auf Wiesen, in Bächen und Büschen, beim Hämmern und Sägen, Laufen und Buddeln, Schätze entdecken, bei lebendigen Festen und geheimnisvollen Erkundungen.

Aufgabe der Pädagogin/des Pädagogen

  • Wir sorgen für eine bewusste Raumgestaltung, die neugierig machen und Aufforderungscharakter zum Entdecken, Ausprobieren und Gestalten haben soll. Die Anordnung der Materialien die für die Kinder griffbereit, übersichtlich geordnet und in Augenhöhe sind, sorgen dafür, dass es ihnen jederzeit möglich ist, sich spontan und über längerem Zeitraum mit bestimmten Materialien und Themen auseinander zu setzen.
  • Durch gezielt gesetzte Impulse versuchen wir die Neugierde der Kinder für bestimmte Materialien oder Themen zu lenken.
  • Wir spielen mit und geben Impulse für ein variantenreiches und lustvolles Spiel
  • Methodische Beobachtung und differenziertes Wahrnehmen des Entwicklungsstandes, der emotional-sozialen Gemütslage, sowie der Interessen der Kinder, führen zu weiteren Ideen, Anreizen und Freiräumen für ein vielfältigeres, lebendiges Spiel.
  • Regeln geben den Kindern neben größtmöglicher Selbstbestimmung Halt und Orientierung!
  • Unsere Regeln im Umgang miteinander und die Regeln für den Umgang mit Spielmaterialien werden in der ganzen Gruppe besprochen, diskutiert, aufgeschrieben und festgehalten.
  • Regeln, die das Spiel und die Spielbereiche betreffen sind meist flexibel und verhandelbar, da auch das Spiel der Kinder sehr unterschiedlich ist (Rollbrettfahren im Gang, Puppenecke, Bauecke).

16 Formen des Spiels nach Dr. Armin Krenz:

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