"Gesellschaftliche Veränderungen, wie die zunehmende Berufstätigkeit der Frauen,die Folgen der PISA Studie, die Migration haben die Erwartungen an die Institution Kindergarten in den letzten Jahren vermehrt beeinflusst."

Jedes Kind hat das Recht auf eine lebenswerte Perspektive!

Jedes Kind, gleich aus welcher sozialen, ökonomischen Familiensituation, gleich welcher ethnisch-kulturellen Gemeinschaft seine Eltern stammen, hat die gleichen Rechte und Chancen verdient. Unabhängig von seiner Herkunft soll jedes Kind sein Potential, seine individuellen Möglichkeiten voll entfalten können und sich in seiner Selbstwirksamkeit als wertvolles Mitglied der Gemeinschaft erleben. Das ist die Grundlage für unser demokratisches Bildungsverständnis.

Angelehnt an das Humboldtschen Bildungsideal (siehe Quellenangaben)

verstehen wir Bildung im Kindergarten als Herausforderung,

den Kindern einen (Lebens)raum zu bieten, in dem sie:

  • sich ein Bild von sich selbst in dieser Welt machen
  • sich ein Bild von anderen in dieser Welt machen
  • das Weltgeschehen erleben und erkunden können

Diese Bildungsprozesse sind stets an sinnstiftende Fragen gebunden:

Wer bin ich? Zu wem gehöre ich? Wer sind die anderen? Was passiert um mich und um uns herum? Was war vor mir und was kommt nach mir? Die kindlichen Bildungsprozesse werden als aktive, soziale, sinnliche und emotionale Prozesse der Aneignung von Welt wahrgenommen. Demzufolge benötigt die Aktivität des einzelnen Kindes, wofür es sich interessiert, womit es sich selbsttätig auseinandersetzt, welche Schlüsse es daraus zieht, ein soziales Umfeld, das ihm Resonanz gibt. Jedes Kind spürt das ehrliche Interesse seiner Bezugspersonen, für seine Tätigkeiten, Fragen, seine Deutungen. Somit ist Bildung immer auch ein verantwortungsvoller Prozess, für die kindlichen Bildungspartner – Eltern, Pädagogen, die Gesellschaft.

Kompetenzen für die Welt von Morgen:

Welche Kompetenzen brauchen unsere Kinder in Zukunft um in dieser Welt bestehen zu können und die Gesellschaft verantwortungsvoll und aktiv mitgestalten zu können?

  • Ich-Kompetenzen
  • Soziale Kompetenzen
  • Sachkompetenzen
  • Lernmethodische Kompetenzen

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Bildung und Lernen

Gesunde Kleinkinder zeigen Lerngrundhaltungen wie Neugier, Interesse, Konzentration, sich zu wundern, Beharrlichkeit, Faszination, Fürsorge, Beobachtungsgabe, Fantasie, Weltoffenheit und sind damit Bildungspersonen. Sie lernen, wenn sie sich wohlfühlen, selbsttätig. Lernvorgänge sind physiologisch, d.h. Sie verändern die Art wie wir die Welt sehen und mittelfristig auch unser Verhalten. Lernvorgänge sind sozial. Effektives Lernen findet nicht im stillen Kämmerlein statt, sondern immer im Austausch mit anderen.Lernvorgänge brauchen Sinn. Die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns ist Voraussetzung dafür, sich neue Informationen einprägen und merken zu können.

  • Lernvorgänge entstehen durch das Erkennen von Mustern. Wenn ich die Struktur erkenne, dann entsteht Sinn und damit auch Lernerfolg.
  • Lernvorgänge sind IMMER mit Emotionen verbunden. Emotionen sind mit unseren Gedanken verknüpft, mit unseren Entscheidungen UND mit jedem Lernvorgang.
  • Das Gehirn lernt immer gleichzeitig die Details UND das große Ganze. Wenn ich weiß wie sich eine Information in den Gesamtzusammenhang einordnet, dann bleibt sie besser im Gedächtnis.

(Quelle: 12 Lernprinzipien von Dr. Renate und Ceoffrey Caine)

 In der Sprache Reggios klingt das poetischer: „Der Bau der Kenntnisse ist ein großer Tanz, der sich in Raum und Zeit bewegt. Der Prozess des Lernens ist eine täglich neue Mischung von Wissen. Kinder lernen nicht linear, ihr Lernen gleicht dem Flug eines Schmetterlings, der sich bald hier – bald dort niederlässt!“ Müssen Kinder in dieser frühen Phase der Kindheit tatsächlich lernen? Fähigkeiten wie vorausschauend zu denken, komplexe Probleme zu durchschauen und seine eigenen inneren Impulse zu steuern, können nicht per Bildungsplan verordnet werden.

“Immer wieder ähnliche Reize hinterlassen Spuren im Gehirn. Immer wieder ähnliche Erfahrungen sorgen für eine Vertiefung der Spuren. Diese tieferen Spuren wiederum sind gewissermaßen Wegbereiter für neue eintreffende Impulse. Unser Gehirn ist kein DVD-Rekorder. Es wird nicht alles 1:1 abgespeichert. Beim Verarbeiten der Impulse findet bereits ein Bewerten und Strukturieren statt. Das Gehirn zieht aus den Impulsen das Regelhafte heraus. Es sucht nach Mustern und inneren Ordnungen”. (Petra Evanschitzky “Wie Kinder lernen)

Nur unmittelbare,mit Leib und Seele gemachte Erfahrungen stoßen im Gehirn die wichtigen Lernprozesse an. Nur so können Kinder all das zur Entfaltung bringen, was sie in Zukunft brauchen:

Innovationsgeist und Kreativität bei der Suche nach neuen Lösungen. Motivation und Einsatzbereitschaft bei der Umsetzung guter Ideen, gepaart mit Durchhaltevermögen und Zuversicht. Und etwas Umsicht und Geduld, weil nicht alles, was sie versuchen, auch auf Anhieb gelingt. Sind sie sich ihrer Selbstwirksamkeit erst einmal bewusst, ist später auch das Aneignen und Umsetzen von Sachwissen kein Problem. Schulfähigkeit ist nämlich nicht Ergebnis eines geistigen Lerntrainings, sondern Schulvorbereitung hilft, eine stabile, belastbare Persönlichkeit zu entwickeln, indem sie auf Bildung durch Bindung setzt und damit Lernfreude entwickelt (vgl. Theune (2009), S.116).

Aufgabe der Pädagogin

  • Unser Kindergarten soll ein Ort sein, an dem die Kinder in einem anregungsreichen Umfeld Geborgenheit finden, gefordert und gefördert werden, vieles ausprobieren, eigenes einbringen, vieles voneinander lernen können, ...
  • Dafür brauchen sie ein Gegenüber, das sie ernst nimmt, ihre Anregungen und Ideen wahrnimmt, sie in ihrem Tun bestärkt und durch Impulse herausfordert.
  • Die Pädagogin soll das Kind als Akteur in seiner individuellen Entwicklung erkennen und durch Analyse der Interaktion zwischen Kind und Umwelt die Materialen bereitstellen, die es zur Bildung benötigt. Wie schon erwähnt, kann Bildung nicht von außen vorgeschrieben werden, allerdings hat die Pädagogin die Aufgabe, Prozesse durch eine vorbereitete Umgebung anzuregen.
  • Wir legen Wert darauf, dass Bildungsprozesse in unserer Einrichtung in Form einer Ko-konstruktion von Kindern und Erwachsenen statt finden. Das bedeutet, dass Kinder in Zusammenarbeit mit Erwachsenen lernen.
  • Wir sind uns unserer Vorbildrolle bewusst und achten auf ein Klima des Vertrauens, der Wertschätzung und des Respekts
  • Wir gehen auf die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Kinder ein und schaffen entsprechende Erfahrungsräume
  • Uns ist wichtig, den Kindern verlässliche Bezugspersonen zu sein, die ihnen emotionelle Zuwendung, Schutz und Geborgenheit geben können
  • Unser Tagesablauf ist geprägt von Ritualen und Strukturen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und Orientierung und Sicherheit bieten
  • Wir beteiligen die Kinder an der Planung und Gestaltung des Zusammenlebens, und geben ihnen Gelegenheit ihre Ideen und Wünsche einzubringen (Morgenkreis,....)
  • Wir moderieren diese Prozesse und unterstützen die Kinder dabei, sich mit unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnissen zu befassen und Kompromisse auszuhandeln
  • Wir beobachten die Kinder und versuchen wahrzunehmen, was sie aktuell beschäftigt und wo sie Unterstützung brauchen
  • Dabei ermutigen wir sie, Fragen zu stellen und begleiten sie auf der Suche nach Antworten
  • Selbstgesteuerte Lernprozesse ergänzen wir durch Impulse und Bildungsangebote der Pädagogin
  • Über ein anregendes, wandelbares Umfeld laden wir die Kinder ein, sich voll Neugierde an Neues heranzuwagen
  • Unsere vielfältigen Spielräume und Lernwerkstätten bieten den Kindern Gelegenheiten zum Experimentieren und Gestalten, um ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu erweitern
  • Differenzierte Bewegungsangebote wechseln sich mit Phasen der Erholung ab (Bewegungsbaustellen, Waldbaustelle, Sensorische Integration,...)
  • Wir achten auf gesunde Ernährung und einen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln

Ständige Animation gegen Langeweile?

Experten sind sich einig: Langeweile braucht das Kind. Leerlaufphasen sind wichtig. Es kommt zur Ruhe, kann sich auf sich selbst konzentrieren. Dies wird zunächst natürlich als langweilig empfunden, doch die Langweile ist die Basis für wichtige Erfahrungen: Sich selbst genug sein, sich in der eigenen Haut wohl fühlen, aus eigenen Ideen Freude schöpfen,... Kinder brauchen diese Momente der Ruhe möglichst regelmäßig. Zuviel Aktion und Termine führen zu Stress, setzen die Kinder unter Druck und verlangsamen ihre ganz persönliche Entfaltung von Fantasie und Selbstwahrnehmung. In der Langeweile lernen Kinder, aus eigener Kraft und eigenem Antrieb eigene Ideen und Interessen zu finden. Ihre Selbstwahrnehmung wird gestärkt und auch ihr Selbstbewusstsein wächst.