"Kinder werden nicht erst Menschen, sie sind schon welche."

 

In den vergangenen Jahren beschäftigte uns immer wieder die Frage: In welcher Konsequenz trauen wir den Menschen in unserem System Kindergarten Autonomie, Eigenverantwortung und Eigensinn zu?

 

Grundsätzlich sind wir überzeugt davon, dass jeder Mensch frei sein sollte, 

sich zu entscheiden, was wichtig und gut für ihn ist.

 

Wie ermöglichen wir also den uns anvertrauten Kindern, dass sie möglichst

 gute Lern- und Entwicklungsbedingungen vorfinden.

 

Soziale Kompetenz von Geburt an

Jesper Juul geht davon aus, dass das Kind von Geburt an sozial und emotional ebenso kompetent ist, wie ein Erwachsener. Kinder sehen sich “in Beziehung” zu anderen. Sie sind ursprünglich sozial. Kinder lernen ihr Verhalten durch Imitation. Kinder müssen beobachten und experimentieren dürfen, dann fügen sie sich durch Nachahmung in die Kultur ein. So kooperieren Kinder. 

Doch was hat das Bild des Kindes mit der bildsamen Phase zu tun? Bildsame Phase stellt nicht nur eine Zeitspanne dar, in der das Kind besonders lernfähig ist, sondern sie spricht dem Kind auch Kompetenzen zu, die durch die Entwicklungspsychologie und Hirnforschung erkannt worden sind.

Das Kind ist nicht passiv im Vorschulalter, kein Nürnberger Trichter, den es zu füllen gilt, sondern „ein „Akteur seiner Entwicklung“ d.h. es handelt aktiv, forscht und lernt selbsttätig“.

Das Bild vom Kind als gleichwertigen Entwicklungspartner bedeutet für uns, dass jedes Kind ein Recht auf Mitbestimmung hat. Indem wir dem Kind die Fähigkeit zusprechen, sich eigenaktiv und kompetent, individuell sein Umfeld zu erschließen, ermöglichen wir ihm das Recht auf Selbstbestimmung und damit die Grundlage für ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Kindergartenalltags. 

 

Augenhöhe

  •     Kindern und Eltern (Menschen) auf Augenhöhe zu begegnen, wird bei uns dadurch spürbar, dass wir uns für ihre (Lebens-)Geschichte interessieren, aktiv zuhören und Gefühle wahrnehmen.
  •     Mit Menschen in Beziehung zu treten heißt für uns, sich mit Achtung, Respekt, Wertschätzung, Gleichwertigkeit und Gleichwürdigkeit auf jede Person einzulassen.
  •     Es gibt keinen Grund für uns Erwachsene, in Kindern unreife und unfertige Menschen zu sehen, obwohl oder nur weil wir ihnen an Erfahrungen und Wissen voraus sind.
  •     Wir erkunden die Einzigartigkeit und Individualität jedes Menschen durch aktives Zuhören, wahrnehmendes Beobachten,...
  •     Daher gestehen wir den Kindern größtmögliche Autonomie und Eigensinn (Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns und Handelns) zu. Sie entscheiden selbständig und wählen frei zwischen den ihnen zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten aus. 

Resonanz

  • Grundsätzlich ist jeder Mensch frei, sich zu entscheiden, was für ihn wichtig und gut ist.
  • Jeder Mensch stellt selbst Sinn her über das, was er erlebt und tut. Jeder Mensch wünscht sich dennoch wahrgenommen, ernst genommen und angenommen zu sein
  • Kinder leben nach einer individuellen Logik und einer individuellen Vernunft, die in ihrem Gefüge Sinn machen und für sie bedeutsam sind.
  • Dies bedeutet jedoch nicht, dass sein Gegenüber mit seiner Einschätzung und Entscheidungen immer einverstanden sein muss oder sich nicht dagegen wehren kann.
  • Auf der Basis des Verstehens bieten wir Orientierung durch Impulsfragen, ohne jedes Verhalten zu tolerieren.

Gemeinschaft

  • Jedes einzelne Kind im Blick zu haben ist unser tägliches Bestreben.
  • In der Gruppe ankommen, angenommen sein und sich wohlfühlen ist die Voraussetzung für eine wertvolle, vertrauensvolle und gelingende Kindergartenzeit.
  • Wir beobachten, interpretieren und handeln im Hinblick darauf, dass sich jedes Kind als Teil der Gruppe fühlen kann und gute Entwicklungsbedingungen vorfindet

Orientierung

  • Das Zusammenleben in der Gemeinschaft braucht eine Halt gebende Orientierung und Sicherheit.
  • Die Tagesstruktur gibt einen Rhythmus vor, der allerdings auch spontaner Erfahrungslust weichen kann, um dem Forscherdrang,
  • Projekten und Exkursionen Raum zu geben.
  • Erwachsene Bezugspersonen gehen auf die individuellen (Bildungs-) Bedürfnisse der Kinder ein und unterstützen und begleiten sie auf ihrem Weg:
    • sich ein Bild von sich selbst in der Welt und
    • sich ein Bild von den anderen in dieser Welt zu machen
    • und das Weltgeschehen zu erleben und zu erkunden
  • Regeln werden gemeinsam mit den Kindern besprochen, sind verhandelbar und können neu angepasst werden.
Warum sind die ersten Lebensjahre so entscheidend für später?

In dieser ersten Zeit tragen Kinder ihr gesamtes Rüstzeug für das weitere Leben zusammen. Wie auf einer Baustelle hängt die Stabilität ganz entscheidend vom Fundament ab. Damit Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten heranreifen, müssen sie bestimmte Fähigkeiten entwickeln. Dazu zählen in erster Linie Vertrauen und Hilfsbereitschaft, Gestaltungsfreude und Begeisterungsfähigkeit. 

(Prof.Dr.Gerald Hüther)

Neugier

Dem Kind wird als Gestalter seiner Entwicklung die Fähigkeit zugesprochen, durch Neugierde und vielfältige Interessen sich durch Fragen die Welt zu erschließen. Jeder kennt die Phase des Wieso? Weshalb? Warums? eines Dreijährigen, der aktiv, unternehmenslustig, begeisterungsfähig und selbstbestimmt sich die Welt zu ergründen versuchen. Das Kind denkt dabei logisch und schlüssig, es erfasst Ursachen und Wirkungen, bedarf aber noch Anregungen dazu und muss erst lernen, Selbstkompetenzen wahrzunehmen und zu entwickeln, indem es nach Autonomie strebt.

  • Wir erleben tagtäglich, mit welcher Lust am Gestalten
  • und Entdecken, die Kinder ihr Umfeld erforschen und erobern
  • Kinder kooperieren, indem sie beobachten, experimentieren
  • und durch Imitation lernen
  • Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, um sich für Impulse zu öffnen
  • Jedes Kind bringt seine eigene “Schatzkiste” mit

Ermutigung

  • Lernen ist geprägt von Versuch und Irrtum
    • Diesen Prozess unterstützen wir dadurch, dass wir Kinder ermutigen, sich auf Neues einzulassen und begleiten sie durch Fragen und Denkanstöße aktiv dabei, wenn die Lösung auf sich warten lässt Stärken sind die “Schätze” auf denen wir aufbauen bund für Kinder individuelle Lerngelegenheiten schaffen
  • Stärken sind die “Schätze” auf denen wir aufbauen und für Kinder individuelle Lerngelegenheiten schaffen